“Lernen am Limit”: Photos, Videos, Pressespiegel & mehr

Am Mittwoch, den 30. Oktober 2019 gingen in Heidelberg hunderte Studierende auf die Straße, um unter dem Motto “Lernen am Limit” ein Zeichen gegen die Unterfinanzierung des Hochschulwesens zu setzen. Auf dieser Seite haben wir Photos, Videos, Presseberichte, Materialien etc. zusammengetragen, um den Aktions- und Protesttag angemessen zu dokumentieren und seine Botschaft präsent zu halten. Zugleich möchten wir uns bei allen bedanken, die an den Vorbereitungen beteiligt und/oder am 30.10. vor Ort waren. Vielen Dank für euren Einsatz! 🙂

Ihr habt Photos oder gar Videos von dem Aktionstag? Sendet sie an presse@stura.uni-heidelberg.de, wir nehmen sie gerne mit auf!


» Bevor es losging:  Das hier waren unsere wichtigsten Mobi-Materialien, unsere Pressemitteilung sowie die zentralen Zahlen, Fakten & Aufrufe.


» 14 Uhr: Demo!

Am Universitätsplatz nahm unsere Demonstration ihren Auftakt. Durch die Haupt- und Akademiestraße zogen wir gemeinsam zu einer Zwischenkundgebung auf dem Friedrich-Ebert-Platz und schließlich durch die Plöck und Theaterstraße zurück zum Universitätsplatz.

(h/t to David, Marc & Sara)

 

Die Rede von Konstanze Hügel (Personalrat Universität Heidelberg) zum Nachlesen:

Bildung? Was ist uns diese heute wert? Anscheinend nicht besonders viel. 2006 hat der damalige Bundespräsident Horst Köhler in einer Berliner Rede u.a. folgendes gesagt:

  • „Wir brauchen angemessene Finanzmittel für alle Bereiche des Bildungswesens, denn unsere Bildungsausgaben sind insgesamt zu niedrig.“
  • „Ich weiß um die schwierige Kassenlage der Länder, und ich kenne die Nöte der Haushaltspolitiker.“
  • „Wer an der Bildung spart, spart an der falschen Stelle.”

Und, wie sieht es nun 13 Jahre später aus?

Der Bildungshaushalt 2020 macht 5,1 % des Bundeshaushalts aus. Gleichzeitig macht der Verteidigungshaushalt 12,5 % aus. Man hat die Finanzierung einiger größerer Rüstungsvorhaben gesichert: Vom schweren Transporthubschrauber über das Mehrzweckkampfschiff 180 bis zur Weiterentwicklung der Eurodrohne, über Schützenpanzer Puma bis zum Ersatz des Eurofighter.

Angesichts der Situation an den Universitäten ist dies unfassbar. Der 2020 auslaufende Hochschulpakt hat den Unis deutlich mehr Studienanfänger gebracht als vorhergesagt worden war. Und die sind immer noch da und werden auch noch eine Weile bleiben. Und die neuen Berechnungen gehen auch davon aus, dass es eher nicht weniger werden.

Schaut man sich die Bedingungen der Beschäftigten an, kann man diese nicht anders als katastrophal bezeichnen. Sicher hat der Hochschulpakt neue Stellen gebracht. Diese alleine reichen aber nicht aus.

  • Die Betreuungsrelationen sind zu hoch.
  • Zeitverträge, die nicht nur das Leben der angehenden Wissenschaftler im Würgegriff haben.
  • Die Jagd nach immer neuen Projekten, um Geld heranzuschaffen, noch bevor das letzte Projekt gut abgeschlossen ist.
  • Eine 17 Jahre alte Kapazitätsverordnung, die die heutigen Anforderungen nicht annähernd berücksichtigt.
  • Vergabe von Lehraufträgen statt Einstellungen und dies auch noch zu Dumpinglöhnen.
  • Anrechnungsfaktoren von Lehrveranstaltungen, die sich nicht an den heutigen veränderten Gegebenheiten orientieren.
  • Eine Personalausstattung im nicht-wissenschaftlichen Bereich, die durch die Solidarpakte I und II dramatisch reduziert wurde.

Nicht selten erbringen die Kolleginnen und Kollegen ihre hervorragende Leistung

  • in Büros mit alten und zugigen Holzfenstern,
  • im Sommer in völlig überhitzten Büros,
  • mit gesundheitstechnisch fragwürdigem Mobiliar,
  • in Seminarräumen, die alles, aber nicht modern und zeitgemäß sind,
  • in überfüllten Hörsälen,
  • in Gebäuden mit maroder Bausubstanz – Asbest und PCB lassen grüßen!

Und genau von diesen Kolleginnen und Kollegen wird erwartet, dass sie neue, innovative Ideen kreieren und umsetzen. Genau diejenigen, die in prekären Verhältnissen und unter miesen Bedingungen arbeiten, sollen dem Land den Elitestatus bringen.

Ich finde, alle – ganz egal ob Studierende oder Wissenschaftler*innen, ob Laborant*innen oder Bibliothekare – haben Anspruch darauf, dass unser Land beste Voraussetzungen für Bildung schafft.

Also, her mit den Millionen …

  • für die Erhöhung der Grundausstattung,
  • für die Verbesserung der Lehre,
  • für die Infrastruktur,
  • für die Personalausstattung im wissenschaftlichen und im nicht-wissenschaftlichen Bereich,
  • und auch für die jährliche Dynamisierung vor allem der Personalmittel.

Pakte helfen nur heute, vielleicht auch morgen, aber nicht auf Dauer. Was wir brauchen, ist eine dauerhafte und verlässliche Perspektive.

Hierbei handelt es sich um das vorläufige Skript. Es gilt das gesprochene Wort.

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Die Rede von Marc Baltrun (Referat für hochschulpolitische Vernetzung) zum Nachlesen:

Liebe Kommiliton*innen,

Liebe Schüler*innen,

Liebe Angestellte,

Danke, dass ihr heute gekommen seid! Wir sind damit nicht allein: Heute gehen in ganz Baden-Württemberg Studierende, Dozierende, Angestellte und viele weitere Menschen auf die Straße, um lautstark zu zeigen: Das nehmen wir nicht wortlos hin! Gemeinsam fordern wir: Mehr Geld für Bildung!

Vor fünf Jahren trat der Hochschulfinanzierungsvertrag I in Baden-Württemberg in Kraft. Zuvor wurde den Hochschulen die Zuwendungen noch sukzessive gekürzt: So sanken die Zuschüsse vom Land pro Studierendem preisbreinigt von 8900 € in 2001 auf 6700 € in 2014. Also ein Rückgang von 2200 € bzw. 25 %, in nur 13 Jahren. Für unsere Gesellschaft, deren Fundament Bildung ist, wurde somit in Baden-Württemberg seit Jahrzehnten eine zukunftsferne Linie gefahren.

Mit dem HoFV I sollten die Hochschulen des Landes nun jedoch für die Auffangung des Doppeljahrgangs finanziell aufgestellt werden. Und tatsächlich gingen mit dem neuen Finanzierungsvertrag einige Verbesserungen einher. Gerade die QSM – studentisch verwaltete Gelder – sorgen an Hochschulen vielerorts für den Erhalt der Qualität, indem gute Projekte gefördert werden. Nun, da sich zeigt, dass die Zahl der Studienanfänger*innen konstant bleiben wird, muss ein neuer Vertrag her, der die Finanzierung der Hochschulen sichert. Denn der Trend geht ganz klar zum Studium.

Mit der wachsenden Anzahl an Studierenden, aber auch durch neue Aufgaben wie beispielsweise der Digitalisierung und Inklusion, wachsen die Hochschulen stetig mit. Es benötigt ausreichend Personal im Mittelbau, damit alltäglich anfallende Aufgaben erledigt werden können. Nur durch eine angemessene Anzahl von Dozierenden kann eine gute Betreuungsrelation gegenüber uns Studierenden gewahrt werden. Und durch den kontinuierlichen Fortschritt in der Forschung steigen auch die Anforderungen ans Studium. Hierzu braucht es entsprechende Gerätschaften, Bücher, Lizenzen. Daneben muss auch bedacht werden, dass natürlich bei einem solchen Gesamtwachstum der Hochschule die Infrastruktur mitwächst.

Mit dem aktuellen Haushaltsbeschluss (bzw. wenn dieser im Landtag angenommen wird) ist bereits der finanzielle Rahmen für die Hochschulen gesetzt. Und bei diesem spielen die Hochschulen eher eine untergeordnete Rolle, wenn man betrachtet, welchen Etats welche Erhöhungen zugesprochen werden. Bei der weiteren Betrachtung der zeitlich knapp geführten Verhandlungen zwischen der Regierung und den Rektor*innen des Landes ergibt sich der Eindruck, dass man dieses Kapitel mit Blick auf die 2021 anstehenden Landtagswahlen schnell abschließen möchte– womöglich, weil man sich hier nicht mit Federn schmücken kann.

Mit 143 Mio € mehr als Vorschlag ging Ministerin Bauer für das MWK in die Verhandlungen, zugestanden bekommen hat sie davon nur 80 Mio €. So bleiben am Ende etwas mehr als 13 % der seitens der Rektor*innen des Landes als notwendig erklärten Summe.

Das rasante Wachstum und die Expansion der Hochschulen – gerade hier in Heidelberg gut zu beobachten – führen dazu, dass wir heute vor einem gewaltigen Sanierungsbedarf und hohen Klimatisierungskosten stehen.

Instandhaltung, Personal, Dozierende, Bücher. Das alles kostet Geld. Wir Studierende kosten Geld. Aber eine Investition in uns und unsere Hochschulen ist eine Investition in die Zukunft. Denn wir sind die Köpfe von morgen, wie man uns so gerne sagt. Und große gesellschaftliche Probleme wie der demographische Wandel, die Reformation des Krankenkassen- und Rentensystems, die Weiterentwicklung von Technologien und der Klimawandel müssen bewältigt oder gelöst werden. All das ist in Zukunft ohne Hochschulbildung nicht möglich.

Wir brauchen eine angemessene Finanzierung unserer – seitens der Politik liebend gerne präsentierten – Hochschullandschaft statt einer Regierung, die ihre Wahlkampfpläne zur Last dieser austrägt. Letzteres wird der Bedeutung unserer Hochschulen nicht gerecht! Gemeinsam fordern wir: Mehr Geld für Bildung!

Hierbei handelt es sich um das vorläufige Skript. Es gilt das gesprochene Wort.

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Hier ein kleiner Eindruck von unserem Zug durch die Hauptstraße:


(h/t to dielinke.SDS)

 

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» 16 Uhr: Workshop!

Unter dem Titel “Das Bildungssystem des 21. Jahrhunderts und sein Elend – Burnout und Depressionen als gesellschaftliches Phänomen” lud das Bündnis „Lernfabriken meutern!“ ab 16 Uhr in der Sandgasse 7 dazu ein, gemeinsam über das gegenwärtige Bildungssystem nachzudenken und der Frage nachzugehen, wie gewisse Strukturen und Anreize auf jede*n Einzelne*n von uns zurückwirken und wie es besser laufen könnte.


» 18 Uhr: Podiumsdiskussion!

Unter dem Titel “Die Ökonomisierung der Hochschulen – was ist das und was macht das?” diskutierten Dirk Theile (Mittelbauinitiative Mannheim und Heidelberg), Albrecht Schütte (CDU), Leonie Ackermann (fzs) und Torsten Bultmann (BdWi) über Grundfinanzierung und Drittmittel, befristete Verträge sowie die Auswirkungen auf die demokratische Beteiligung und die demokratischen Strukturen an Hochschulen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Xenia Miller (ruprecht).

Hier könnt ihr euch die Podiumsdiskussion im Re-Live ansehen:
(der Ton ist ab 0:05:50 deutlich besser)

(direkter Link: https://youtu.be/G-SBqXcfWmk)

 


Zuletzt schließlich noch ein kleiner Pressespiegel (der fortlaufend ergänzt wird):

Südwestrundfunk: “Studierende wollen mehr Geld – das Ministerium spielt auf Zeit

Südwestrundfunk: “Auch mit Daimler-Millionen Unis finanzieren” (Interview mit Theresia Bauer)

Rhein-Neckar-Zeitung: “Heidelberger Studenten fordern Millionen für die Hochschulen

Rhein-Neckar-Zeitung: “Es gibt Spielräume und die sollten genutzt werden” (Interview mit Bernhard Eitel)

Rhein-Neckar-Zeitung: “Lautstärke und Erfolg sollte man nicht verwechseln” (Interview mit Theresia Bauer)

Mannheim24: “Für bessere Finanzierung: Studenten-Demos in Mannheim und Heidelberg

Radio Regenbogen: “‘Unsere Uni platzt aus allen Nähten!’

Rhein-Neckar Fernsehen: “Studentenprotest in Mannheim und Heidelberg

u.a. Die Welt (via dpa): “Bauer: Hochschulfinanzierung «noch nicht fertig verhandelt»

u.a. Süddeutsche Zeitung (via dpa): “Demonstranten fordern: Millionen für die Hochschulen